Stilltees, Kapseln & Co. – Was hilft wirklich für mehr Milch?
- familienbegleitung4
- 8. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Juni
Zu wenig Milch wird von vielen Müttern als Problem in der Stillzeit und Grund für frühes Abstillen benannt. Natürlich ist es das wichtigste, dass das Kind ausreichend versorgt ist.
Der Wunsch nach einem Zaubermittel, das die Milchproduktion im Handumdrehen anregt, ist daher total verständlich.
Aber nur jeden Tag Mittelchen xy schlucken und schon sprudelt es? Ist das wirklich so einfach?

Was die Wissenschaft sagt
Es gibt einige Mittel, die wir in der Stillberatung immer wieder hören, bei den Familien schon stehen sehen oder sogar auf den Wochenbettstationen verteilt werden - Globuli, Tees, Malzbier etc.
Und es wäre toll, wenn bei einem komplexen Prozess wie der Milchbildung nur ein Mittelchen eingenommen werden müsste, das alles ins Lot bringt (oder bei kolikartigen Beschwerden). Für all diese Dinge gibt es allerdings keinerlei erwiesene Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus.
Nun ist der Placeboeffekt auch ein Effekt und nicht auszuschließen, dass einzelne Mütter doch besonders sensitiv auf bestimmte Substanzen reagieren. Und auch andere Nebeneffekte können sich positiv auswirken. Ein warmer Tee kann einen Wohlfühleffekt schaffen, so Stress reduzieren und sicherstellen, dass Mama ausreichend trinkt. "Stillkugeln" können helfen, eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung sicherstellen.
Warum wir milchbildende Mittel trotzdem kritisch sehen dürfen
Was mich bei dem Wirbel um die ganzen Mittelchen allerdings stört, ist zum einen, dass manche Mütter sich mitunter etwas reinzwingen, was ihnen gar nicht schmeckt oder gut tut und dafür vlt. auch noch unnötig Geld ausgeben.
Zum anderen erleben wir immer wieder, dass mit der Aussicht auf die vermeintliche Wirksamkeit dieser Mittel die Ursachenforschung aus dem Blick gerät und tatsächlich wirksame Maßnahmen ausbleiben.
Zu oberst sollte immer eine ausreichend häufige und gute Entleerung der Brust stehen.
Bei körperlichen Einschränkungen bei Mutter und/oder Kind, zu seltenem oder kurzen Angelegen oder wenn wegen ungünstiger Positionierung die Brust nicht gut erfasst werden kann, wird jeder Tee nicht viel bringen.
Warum trotzdem so viele positive Berichte kursieren
Trotzdem gibt es immer wieder positiven Berichte von der (vermeintlich) durchschlagenden Wirkung solcher Mittel.
Kommt die Milch zeitnah zu deren Anwendung muss das allerdings nicht bedeuten, dass die Anwendung auch für den Effekt verantwortlich ist.
Nicht so selten erleben wir in der Beratung z.B., dass schon vorsorglich angeblich milchbildende Mittel kurz nach der Geburt eingenommen werden, wenn die physiologische Umstellung vom wenigen Kolostrum auf "reife" Frauenmilch entsprechend der Nachfrage des Kindes noch gar nicht abgeschlossen ist in den Tagen nach der Geburt. Also macht hier die Veränderung ganz natürlich die Zeit und häufiges Stillen.
Ein anderer Grund könnte sein, dass zusätzlich zur Einnahme des Mittels noch andere Maßnahmen eingeleitet werden und der folgende Effekt eigentlich hauptsächlich oder allein auf diese zurückzuführen ist.
Oder es gab sogar nie einen Mangel. Es ist nicht so selten, dass Mütter/Eltern sich etwa bei unruhigem Verhalten des Babys oder wenn dieses (ihrer Ansicht nach) besonders häufig an die Brust will, zuerst Sorgen machen, ihre Milch reiche nicht aus - das Baby hat Hunger. Objektiv betrachtet, sind Gewichtsentwicklung und Ausscheidungen aber vollkommen ok. Das Verhalten kam vlt. von einem Entwicklungsschub und hätte sich nach 1-2 Tagen auch so gelegt, nicht weil dann plötzlich mehr Milch da ist.
Individuelle Entscheidung – aber informiert
Wenn eine Mutter das Gefühl hat, ihr tut etwas bestimmtes gut und es hilft ihr, sich keine Sorgen um ihre Milchbildung zu machen, wird ihr das sicher auch keine Stillberaterin ausreden.
Zu Bedenken bleibt allerdings - auch wenn etwas keine Wirkung auf die Milchbildung hat, kann es das trotzdem auf andere Dinge haben. Und wenn etwas eine Wirkung hat, kann es auch Nebenwirkungen haben.
So gibt es in Einzelfällen etwa allergische Reaktionen auf Bockshornklee. Und wenn gerade beim ersten Kind noch nicht bekannt ist, ob eine Mutter grundsätzlich eher zur Überproduktion neigt, kann es zu handfesten Stillproblemen führen, wenn sie vorsorglich/zusätzlich noch Mittel anwendet, die die Produktion bei ihr tatsächlich noch mehr pushen.
Fazit
Aktuell ist eine belegte Wirksamkeit nur für bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente nachgewiesen. Der beste erste Schritt ist immer: die Situation genau anschauen – und dann gezielt handeln.
Aktuell ist eine gewisse Wirksamkeit aber allein für bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente angezeigt.

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